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MISSION IMPOSSIBLE | Making of Photo Shoot 2019

Jedes Jahr im Frühling trifft sich ein Großteil der Windsurfindustrie auf der Insel Maui, um Aufnahmen der neusten Produkte bei perfekten Bedingungen in Szene zu setzen. Was letztlich als ein paar stimmungsvolle Bilder in Katalogen und Surf Magazinen zu sehen ist, stellt das Ergebnis hochkonzentrierter Arbeit eines ganzen Teams dar. Fotograf, Filmer und ein Pool von Profisurfern versuchen tagelang, oft von früh morgens bis zum Sonnenuntergang, die perfekten Bilder in den „Kasten“ zu bekommen.
Das mag an sich nicht als so kompliziert erscheinen, wäre da nicht die Abhängigkeit von den Naturgewalten. Jeder Windsurfer kennt das Problem- wann und wo auf dieser Welt gibt über Tage oder sogar Wochen Wind, Welle, reichlich Sonne und karibische Wasserfarben?!
Fehlt eine dieser Zutaten, wird es schwer ein Bild zu shooten, das zum Träumen inspiriert und somit den Kunden anspricht. Deshalb sind Fotoproduktionen dieser Art ein wesentlicher Baustein bei der erfolgreichen Vermarktung neuer Produkte . Auf Maui sind die Voraussetzungen dazu nahezu perfekt auch dort eben nur zu gewissen Zeiten. In den Wintermonaten herrscht oft Flaute im Paradies und in den Sommermonaten gibt es selten Wellen. Deshalb eignen sich eigentlich nur März, April und Oktober für derartige Vorhaben. Dazu liegt Maui nicht gerade um die Ecke und das Reisen mit der gesamten Produktpalette, die meist mehr als 400kg beim Check-in auf die Waage bringt, ist wirklich zum abgewöhnen.

GUNSAILS | Mission Impossible - Fotoshoot 2019

Bei Gunsails wurde in den letzten Jahren eine etwas andere Strategie eingeschlagen.
Mit einer kleiner aber effizienten Guerilla Truppe von 4-5 Personen ging es während sog. „Standby Perioden“ an ausgewählte Spots auf Wellen-und Wind-Jagd.
So besuchten wir als Teamrider Locations wie Tarifa, Mauritius oder Südafrika, um dort durch andere Perspektiven einen frischeren Look zu präsentieren. Dabei war stets ungewiss, ob diese Kurztrips letztlich fruchtbar waren und man bei der Suche nach neuen Spots Glück hatte . So surfte ich beispielsweise im letzten Jahr während des Photo Shootings mit einem Teamkollegen an einem Spot in der Nähe des Kaps der guten Hoffnung in Südafrika. Wir brauchten dringend noch Bilder von einem Onshore Wavesegel ,denn es war der Tag vor unserer Abreise. Die Bedingungen waren alles andere als einladend. Masthohe Wellen mit leichtem auflandigem Wind und mächtig starke Strömung. Nach einem Abgang, bei dem ich mein Material verlor, bemerkte ich einen seltsamen Film auf dem Wasser. Bei genauerem Hinsehen, entdeckte in unmittelbarer Nähe einen toten Walkadaver .Er löste sich schon in Stücke auf und wurde dadurch der ideales Köder für größere Fische, mit Sicherheit auch für Haie. Erfahrungen wie diese fördern nicht nur die Schwimmfähigkeiten, sie zeigen vor allem wie hoch das Risiko sein kann, in fremdem Terrain gute Shoots zu bekommen

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GUNSAILS | Seal Membrane - Windsurf Wave Segel in Membrane Konstruktion

Durch den Wechsel des Produkt Zyklus von Gunsails, der von Dezember auf August vorgezogen wurde, stand ich dieses Jahr vor der Aufgabe das Fotoshooting mit dem kompletten Team zu produzieren. Normalerweise sollte das auch kein Problem sein. Unglücklicherweise verschob sich die 2019er Segel Produktion um 3 Wochen , wodurch das Zeitfenster für das Shooting von einem Monat auf eine Woche schrumpfte.
Eine praktikable Lösung musste sofort gefunden werden, hieß es doch den Termin für den Online Release der neuen Segelkollektion im folgenden Monat zu halten.
So fiel die Wahl auf Fuerteventura wo Ende Juli der Worldcup in den Disziplinen Slalom und Freeestyle stattfindet. Die meisten unserer Teamfahrer dieser Disziplinen würden auf jeden Fall dort vor Ort sein. Dann blieb noch die Organisation des übrigen Teams. Darüber hinaus passten auch die guten Windstatistiken und Türkis- blauen Wasserfarben perfekt ins Konzept.

Mission Impossible

Nach der Ankunft in Fuerteventura mit einem kompakten Taschensortiment von 22 Riggs ( 2 Segeln pro Modell) wurde mir bewusst, dass die Voraussetzungen dann doch nicht so vielversprechend aussahen. Zwar waren die 10 Teamrider vor Ort doch die Wettervorhersage versprach nur 3 Tage Wind. Nicht genug um 12 verschiedene Segel in etlichen Perspektiven von Flachwasser bis Welle abzulichten. So ging es direkt vom Flughafen zu einem Secret Spot südlich von Costa Calma auf’s Wasser. Es herrschten Freeride Bedingungen mit ruppigen 20- 40 Knoten. Flying Dutchman Ben van der Steen zog sein nagelneues GS-R Slalomsegel aus dem Köcher und stürzte sich als erster in die Fluten. Nach weniger als 1 Minute war seine Session auch schon wieder vorbei.

Grund dafür war ein ordentlicher Shorebreak, der den Mast samt des nagelneuen Segel’s auf dem steinigen Untergrund in 2 Teile zerlegte. Damit war das erste Racing Segel für den heutigen Tag abgehakt- leider ohne ein einziges Foto.
Wir änderten unsere Location zu der Lagune in Risco del Paso, wo wir mit vollüberpowerten Freeride Segeln mittelmäßige Aufnahmen produzierten, während im Hintergrund ein paar Touristen mit 3,7qm Segeln uns entspannt um die Ohren surften. Aus dem Freeride-Lächeln wurde damit ein „survival look“, der sich auch auf den Gesichtern der Teamrider wiederspiegelt.

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Der frühe Vogel fängt den Wurm

Auch wenn der Anfang alles andere als vielversprechend verlief, hieß es jetzt von der zuverlässigen „German Efficiency“ Gebrauch zu machen, um nicht mit leeren Händen nach Hause zu fliegen. Ein Plan wurde aufgestellt und jeder im Team bekam Aufgaben von Sandwiches belegen, Wettervorhersagen zu checken, Material im Auto sortieren und möglichst viele Segel in kurzer Zeit am Strand zu riggen, um so jede Minute kostbar zu nutzen. Die Teamarbeit fing morgens bei Sonnenaufgang an und dauerte bis tief in die Nacht. Nach ein paar Lifestyle Aufnahmen im Morgenlicht und einem kurzen Frühstück wurden die Spots im Umkreis gecheckt. Höchste Priorität lag auf den Wave Bildern, dann Freestyle, Racing und Freeride. Die Kombination aus Wind und Wellen ist im Juli auf Fuerteventura äußerst selten und so wurde jede kleine Chance genutzt. Die windigen Tage wurden mit 6 Stunden surfen während 3 Sessions an verschiedenen Spots mehr als ausgenutzt. Jeder im Team zeigte vollen Einsatz bis die Sonne im Meer verschwand. Danach ging der Job für unseren Fotografen und Filmer Pierre Bouras erst richtig los- Fotos und Videos auswählen, bearbeiten und direkt auf die Dropbox laden. Nur 3-4 Stunden schlaf pro Nacht standen für ihn an der Tagesordnung. So langsam stellten sich aber die gewünschten Ergebnisse ein.

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Die goldene Foto Strategie

Es gibt verschiedene Arten Fotos zu produzieren. Der Laie drückt eher wahllos auf den Auslöser und hofft, das am Ende ein paar vernünftige Bilder dabei sind. Die bessere Variante sieht vor, dass man vom gewünschten Endergebnis ausgeht. In unserem Fall brauchen wir mindestens 3-4 gute Bilder von jedem Segel aus unterschiedlichen Perspektiven wie Land-, Wasser -oder Drohnen Perspektiven. Speziell bei einer Fotoproduktion für Segel muss vertikales Licht vermieden werden, um Schattierung im Produkt ausschließen zu können. Deshalb werden Bilder bei Morgen- oder Abendlicht bevorzugt. Vor jeder Session wird ein Briefing für das aktuelle Produkt erstellt. Freeride Segel, bitte Lächeln, have fun - Race Segel, serious look, go full Speed und Segel geschlossen halten. Auch Parallel- Fahrten mit den gleichen Segeln setzen voraus, dass die Fahrer wissen was sie tun, wenn sie mit Topspeed mit ein paar Zentimeter Abstand in die Halse donnern. Die gleichen Manöver und Einstellungen werden solange wiederholt bis der Kameramann abwinkt und somit das gewünschte Bild im Kasten ist.
Man surf sozusagen nicht frei nach Lust und Laune doch das Zusammenspiel mit einem hochmotivierten Team, das anders als im Contest für ein Ziel arbeitet und alles riskiert, bringt trotzdem mächtig Spaß auf dem Wasser.
Nach letztlich 3 windigen Tagen haben wir fast alle Segel abgehackt. Sogar an fast windlosen können wir Dank der Foil-Boards und des neuen Bow Segels ab 10 Knoten ein paar produktive Sessions abgreifen. Nur die nicht vorhandenen Wellen bereiten mir etwas Kopfschmerzen. Nach einigen ernüchternden Touren an die zwei Autostunden entfernte Nordküste, probieren wir unser Glück am letzten Tag erneut. Am Riffbreak Glassbeach treffen wir am Morgen auf einen lokalen Surfer, der begeistert die Wellen studiert. Auch wenn die Vorhersage alles andere als gut aussieht, ist er überzeugt, dass sich heute ein paar Linien am Horizont zeigen sollten. Wir warten eine gute Stunde und plötzlich setzt sich die Wellenmaschinerie in Gang. Über das seichte Riff brechen 2 Meter Wellen mit gigantischen Wasserfarben.
Pierre springt mit seinem Kameragehäuse ins Wasser und wir bearbeiten eine nach der anderen glatten Wasserwand. Der Wind weht Sideshore, perfekt für das neue 5,0 Seal. Ich habe eine wirklich gute Session mit schönen Turns, Goiters und Airs direkt vor Pierre’s Linse. Der Franzose Yann Dupont geht noch einen Schritt weiter-und zwar auf Voll- kontakt mit der Kamera und fährt Pierre einfach über den Haufen, der mit ein paar blauen Flecken nochmal davon kommt.
Nach drei intensiven Stunden geht es ein paar Kilometer südlich bei einem Spot namens „Puerto Lajas“ erneut auf’s Wasser. Dort finden wir in einer kleinen Bucht ganz gute Sprungbedingungen, wo wir uns bis Sonnenuntergang in den Orbit schießen. Alles in allem ein sehr ergiebiger Tag im Office.

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GUNSAILS | Seal Membrane - Windsurf Wave Segel in Membrane Konstruktion

Ergebnis

Nach einer Woche nonstop Shooting ist die 1TB Festplatte mit mehreren tausend Bildern und Videos mehr als voll. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Auch wenn es auf Fuerteventura im Vergleich zu Maui etwas weniger Palmen hat und auch die Wellen nicht ganz so üppig ausfallen, sind wir mit unserer Leistung mehr als zufrieden.
Das Gesamtergebnis ist jedoch maßgeblich dem kompletten Team zu verdanken, das teils sogar zwischen Wettbewerb und Shooting alles gegeben hat.
Es ist immer wieder eine wahre Herausforderung sich Tag für Tag mit etwas Einfallsreichtum und Disziplin an oft nicht perfekte Bedingungen anzupassen und daraus Bilder zu kreieren, die Lust auf Windsurfen und „Meer“ machen.

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